Neugereuter Nachwuchsfilmer geehrt

Jörg-Ratgeb-Schule erhält "Eine-Welt-Preis" anlässlich der Feier zu zehn Jahren Stiftung Entwicklungszusammenarbeit

VON IRIS FREY

Neugereut - Als sie im Sommer 1999 mit einer Cessna über dem Amazonien-Gebiet flogen und ihr Projekt filmten, den Bau der Trinkwasseraufbereitungsanlage, ahnten sie nicht, dass ihr Film einmal einen Preis bekommt, die Schüler der Neugereuter Jörg-RatgebSchule.

Gestern hat Wirtschaftsminister Walter Döring im Neuen Schloss die Arbeit der Schüler gewürdigt, und zwar als Stiftungsratsvorsitzender der Stiftung Entwicklungszusammenarbeit

Baden-Württemberg (SEZ). Die Stiftung hat anlässlich ihres zehnjährigen Bestehens den Eine-Welt-Preis ausgelobt. Das Markus Gall, Sandra Zieger und David Meissner (v.11.) vom Poema-Projekt der Neugereuter Jörg-Ratgeb-Schule haben gestern den Eine-Welt-Preis von der Stiftung Entwicklungszusammenarbeit (SEZ) Württemberg bekommen.   Foto: FreyFilmprojekt Poema der Jörg-Ratgeb-Schule wurde dabei im Bereich Kinder- und Jugendengagement mit einem dritten Preis gewürdigt.Wichtige Kriterien für die Entscheidung der Jury waren laut SEZ-Mitarbeiterin Anja Wünsch der Grundsatz "Schüler für Schüler". Mit dem Videofilm der Neugereuter ist das Motto verwirklicht worden.

Noch immer sind Lehrer wie Schüler beeindruckt von der Arbeit in Amazonien, die 1997 mit dem Poema-Projekt begann und 1999 im Filmdreh festgehalten wurde (wir berichteten). Dieser Film ist mittlerweile in der Landesbildstelle erhältlich. Lehrer können ihn für den Unterricht ausleihen. "Und das wird auch gemacht. Das ist wie ein Schneeballsystem. So kümmert sich auch eine Schule in Weissach im Tal um ein Trinkwasserprojekt in Amazonien", erklärt Lehrer Helmut Aulenbach.

Dieses Jahr hat er die Trinkwasseranlage der Jörg-Ratgeb-Schule in dem kleinen Indianerdorf Surucua besucht: "Sie funktioniert noch." Ziel des Projektes ist aber auch Hilfe zur Selbsthilfe, die Indianer sollen mit den Anlagen umgehen können. Mit dem sauberen Trinkwasser sollen mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden-. Krankheitsvorsorge, der Regenwald geschützt und die Indianer sesshaft gemacht werden. Markus Gall hat beim Dreh die Kamera aus der Cessna gehalten und gefilmt, obwohl er nicht schwindelfrei ist. David Meissner sorgte für den guten Ton des 28-minütigen Films. Fast ein Jahr haben sich die Schüler das Filmdrehen vorbereitet. Geübt wurde auch im nahen Altenheim Sankt Monika in dessen "Urwald"-Bereich, erzählt Aulenbach.
Gall hat bei dem knapp eine dreiviertel Stunde dauernden Flug den intakten und den nicht mehr intakten Regenwald festgehalten, die Brandrodung und wie Lastwagen in größeren Mengen Tropenholz illegal abtransportierten. Gall wie auch Meissner sind noch heute von dem primitiven Leben der Indianer erschüttert, "wie sie abgeschottet leben" und der Armut in den Großstädten, "wo viele Obdachlose auf Pappe auf der Straße schlafen".
Mit dem Film der Poema-Gruppe geben die Schüler jetzt anderen Schülern die Möglichkeit, diese Projekte zu unterstützen.
Wirtschaftsminister Walter Döring lobte die "Menschen, die sich nicht auf die bequeme Zuschauerrolle zurückziehen, sondern Zeit, Geld und persönliche Fähigkeiten einsetzen, um zu helfen. Sie übernehmen eine der wichtigsten Zukunftsaufgaben.