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Armut und Umwelt in Amazonien

Reisebericht 2019

Von Johann Graf

9. Februar, Belem

Gestern hat es dann doch noch geklappt mit dem Treffen mit Vertretern der Associacao der Kaapor. Die Associacao ist die offizielle Vertretung der Kaapor. Iraradju Kaapor ist Kazike seines Dorfes und derzeitiger Präsident der Associacao. Er ist noch vergleichsweise jung, und wir haben uns schon bei meinem allerersten Besuch im Jahr 1999 im Dorf Aqua Preta getroffen. Er erinnert sich noch gut daran. Poema hatte schon damals Kontkt zu den Kaapor. Der ging dann in den folgenden Jahren verloren, weil die Funai, die sogenannte "Indianerschutzbehörde" trotz unserer wiederholten Anstrenungen den Kontakt unterbunden hat.

Zufällig, im wahrsten Sinne des Wortes, ergab sich im Jahr 2014 ein Treffen mit einer Gruppe von Kaapor, dem Conselho, den wir seither unterstützen. Leider ist es aber so, dass es zwischen diesen beiden Gruppen einen heftigen Streit gibt. Das war jetzt auch der Anlaß für dieses Gespräch. Bei dem Streit geht es um wechselseitige Vorwürfe, einer möglichen zusammenarbeit mit Holzräubern und um die Frage der Verwendung von Mitteln, die die Kaapor als Kompensation erhalten.

Jracadju hat in dem Gespräch seine Sicht der Dinge dargestellt. Für sie war es auch wichtig zu hören, warum der Kontakt abgebrochen war und jetzt mit dem Conselho zustande kam. Mir war es wichtig klar zu stellen, das Poema in diesen Konflikt nicht Partei ergreifen kann und will. Das wäre anmaßend. Ich habe aber auch darauf hingewiesen, dass dieser Streit gerade unter den jetzigen Bedingungen die Kaapor insgsamt schwächt. Und auch deshalb eine Annährung gut wäre. Iracaadju hat einen sehr sympathischen Eindruck hinterlassen und wir haben vereinbart, das wir uns beim nächsten Besuch von Poema wieder mit mehr Zeit treffen werden.

Jetzt ist mein Zeit hier am Amazonas für dieses Mal vorbei. Heute Nacht gehts über Lissabon zurück nach Deutschland. Ich hatte viele angenehme und intensive Kontakte. Natürlich bedrückt die rechte Regierung hier die Menschen. Insbesondere bei den Indigenen ist das das vorherrschende Thema verbunden mit großer Sorge um die Zukunft der indigenen Völker und mit Sorge um die Menschenrechte aller Brasilianer. Trotzdem habe ich auch viel Hoffnung erlebt von aktiven Menschen, die sich nicht unterkriegen lassen wollen. Das macht auch Mut. Um grande abraco par todos aqui em Brasil e em Alemanha!

7. Februar, Ze Doca

Die Nacht war angenehm kühl und teilweise sternenklar mit diesem unglaublichen Himmel. Zum Frühstück gibt es leider diesen extrem gesüssen Kaffee und Kaba oder so ähnlich. Das ist der Saft einer Frucht, die mit Asai verwandt ist. Also auch ein Palme mit Rispen und vielen kleinen Beeren dran. Dazu wird Majokmehl geschüttet und das löffelt man dann aus einer Tasse. Schmeckt wenig intensiv, soll aber viel Vitamine haben und einen stark machen für den Tag. Dann gibt es noch eine größere Fotosession. Erst ein Bild mit allen, dann kommen einzele Familien, die sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen wollen, schließlich kommt nicht jeden Tag jemand mit Fotoapparata vorbei. Ich muss versprechen die Bilder beim nächsten Besuch mitzubingen.

Dann geht es schon ans Abschied nehmen. Was bei den Kaapor sehr speziell ist, es gibt keine Worte für die Zukunft. So etwas wie "bis zum nächsten Mal" oder "auf Wiedersehn" sagt man nicht. Dafür gibt es keine Worte. Und so verabschiede ich mich mit dem einzigen Kaapor-Wort, das ich kenne: Katu, alles ist gut! Die Rückreise zum Auto ist dann zwar weniger anstrengend, aber dafür nervenaufreibender, weil wir fahren auf Motorrädern. Mehrmals müssen wir absteigen und Wasserläufe und Schlammlöcher zu Fuß zu bewältigen. Dann geht es wieder flott auf den Motorrädern weiter. Ich bin froh und heil, als ich absteigen kann. Heute NAcht sind wir beim Bischof von ZeDoca, einem Polen, zu Gast. Morgen früh soll es noch einen Termin mit der Associacao der Kaapor geben, dann geht es zurück nach Belem.

6. Februar, Marto Yrenda, Maranhao

Die Abreise gestern früh hat sich etwas verzögert, weil Paulinho seine Fahrzeugpapiere vergessen hatte. Dann ging es aus Belem heraus und in Richtung Maranhao. Es gab immer wieder heftige Regenschauer. zu Mittag assen wir kurz hinter der Grenze zwischen Para und Maranhao bei zwei Ordenskollegen von Paulinho. Übernachtet haben wir dann bei dein italienischen Nonnen in Nova Olinda.

Dort kam dann heute morgen auch Jose an, unser Verbindungsmann zu den Kaapor. Es mussten noch Lebensmittel eingekauft werden, und dann ging es ab von der asphaltierten Straße auf eine Piste, immer bergauf und ab. Die beiden Autos liessen wir dann auf der letzten Fazenda vor dem Land der Kaapor zurück. Dann begann ein Fußmarsch von zirka 5 Kilometern auf einem schmalen Pfad. Weil es morgens schon immer wieder Regenschauer gegeben hatte, hab ich mich nicht gegen die Sonne geschützt, was sich jetzt bitter rächte. Der Planet verbrannte mir unerbittlich den Nacken. immer wieder mussten kleinere Wasserläufe durchwatet werden und es ging stehtig bergauf. Dann erreichten wir endlich Marto Yrenda, das neue Dorf der Kaapor. Es wurde als Schutzgebietsdorf im November bezogen.

Die meisten der rund 30 Familien kommen aus Gurupi, dem nächsten etwa 20 Kilometer entfernten Dorf. Der Dorfplatz ist relativ groß, wobei er nahtlos in ein Feld übergeht, auf dem schon Manjok, Bananas und etliches mehr angepflanzt ist. Wir werden freundlich begrüßt. Paulinho und ich nehmen erst mal ein Bad, weil wir maximal verschwitzt sind. Nach einer kurzen Rast gibt es viele Gesräche, es wird gekocht und gegessen und dann ist Versammlung. Im Zentrum sitzen die Männer, Frauen und Kinder sind eher im Hintergrund. Itahu, einer der Liderancas des Conselho beginnt. Er zählt auf, was mit Hilfe von Poema die letzten Jahre alles gemacht wurde. In fünf Dörfer wurden Brunnen gebaut, mit den "telephone rural" sollte die Kommunikation zwischen den Dörfern ermöglicht werden, was noch nicht richtig klappt. Es sollen jetzt mit einem Techniker die Antennen optimal eingerichtet werden. Ein große Hilfe waren und sind die Solarlampen, die eben keine Batterien benötigen. Und Poema hat sie bei ihrer guardia florestal, also dem Schutz vor Eindringlingen (Holzräuber und Jäger) unterstützt durch Sprenden für Transporte, Ausrüstung und Lebensmittel.

So konnten sie regelmäßige Kontrollen ihres Gebietes durchführen und potentielle Eindringlinge fernhalten. Wichtig sei für sie auch die Unterstützung bei der Ausbildung. Ohne Poema hätten die Kurse, in denen Kenntnisse im Anbau, aber auch der Erhalt ihrer Kultur Thema sind, nicht stattfinden können. Weitere Mitglieder des Conselho wiederholen und ergänzen die Aussagen von Itahu. Für das neue Dorf brauchen sie auch einen Brunnen. Jetzt in der Regenzeit gibt es noch genügend Wasser, aber im Sommer sind sie auf einen Brunnen angewiesen. Und so bitten sie Poema um Unterstützung. Auch für die Forführung der Schutzmaßnahmen guardia florestal brauchen sie finazielle Hilfe für Transport, Ausrüstung und Lebensmittel. Das übernimmt jeweils eine Familie, die in dieser Zeit sich nicht selbst versorgen kann. Das einzig wirklich störende in der einbrechenden Dunkelheit sind die Schwärme von kleinen Mücken, die über uns herfallen. ich sehe aus, als wenn ich unter eine Nähmaschine gekommen wäre. So retten wir uns bald in die Hängematten in die stille und die Dunkelheit der tropischen Nacht.

4. Februar, Belem

Jetzt hat es heute doch noch geklappt mit dem Besuch einer Assentamento der MST. Mein Durchfall habe ich seit gestern halbwegs im Griff. Ich bin mit Moises, einem der Aktivisten des MST, mit dem Bus eine Stunde von Belem entfernt Richtung Mosquetero gefahren. Wir hatten Glück, dass wir gerade zwischen zwei Regenschauer die Assentamento erreichen konnten. Es leben dort 40 Familien, also ca. 200 Menschen. Das Gelände hat 1400 Hektar, wenn ich es richtig versanden habe, und ist seit 4 Jahren besetzt. Die ersten 3 Jahre haben sie das Gleände 24 Stunden täglich bewacht, weil es immer wieder Angriffe von Pistoleros und privaten Wachdiensten gab. Seit einem Jahr hat sich die Lage etwas entspann und jetzt wird die Auseinandersetzung um das Landrecht vor Gericht ausgetragen.

Hinergrund der meisten Aktionen der Landlosenbewegung ist eine Regelung in der Verfassung, der eine Sozialbindung von Lanbesitz festlegt. Wenn Land eine längere Zeit brach liegt gehen die Besitzrechte verloren. So war es auch hier. Der ursprüngliche Besitzer hat das Land verlassen und es lag brach. Die Familien hausen in provisorichen Hütten, die jetzt in der Regenzeit notdürftig mit Planen geschützt sind. Das Besondere hier ist, dass die meisten keine Landarbeiter sind, sondern viele in Belem gelebt und gearbeitet haben und zum teil immer noch arbeiten, aber alle in prekären Jobs und oft arbeitslos. Sie wollen hier jetzt Ackerbau lernen, deshalb ist hier vom MST ein Ausbildungszentrum geplant. Das Gebäude gibt es schon, quasi das alte Haus des Fazenderos. Aber sonst gibt es ausser der Hoffnung und dem guten Willen nicht viel. Pemas Hilfe wäre sehr willkommen. Ich habe versprochen, dass wir n Kontakt bleiben, und dass wir wiederkommen.

1. Februar, Belem

Gestern hatte ich ein längeres Gespräch mit Padre Paulinho, einem älteren Franziskaner, der für die katholische Indigenenmission CIMI arbeitet. Die katholische "Mission" hat sich, Gott sei dank, in den letzten Jahrzehnten sehr gewandelt. Sie ist geprägt vm Geist der Theologie der Befreiung und in ihrer Arbeit steht das Selbsbestimmungsrecht der Indigenen und der Erhalt der Menschenrechte im Vordergrund. Padre Paulinho wird mich nächste Woche zu den Kaapor begleiten.

Gestern war in Brasilien der große Aktionstag der Indigenen gegen die Politik Bolsonaros. An vielen Orten fanden Demonstrationen und Kundgebungen statt. So auch in Belem. Als ich mich auf den Weg dorthin machte fühlte ich mich irgendwie unwohl. Im Bus wurde es mir dann unsäglich schlecht und ich konnte mich kaum noch auf den Beinen halten. Es gelang mir gerade noch auszusteigen. Glücklicherweise war da gleich ein Einkaufszentrum und ich schaffte es gerade noch auf die Toilette einer Kneipe dort. Dann wurde es etwas besser. Zur Bar do Parque, wo die Kundgebung stattfand war es nicht mehr so weit. Dort traf ich Marco Mota, einen AKtivisten, der auch schon auf einem Brasilientreffen in Deutschland über die Munduruku informiert hatte. Leider war mir weiter sauübel, so dass ich die Veranstaltung vorzeitig verlassen musste. Jetzt hoffe ich auf baldige Besserung

31. Januar, Belem

Ich bin jetzt schon einige Tage hier in Belem. Der Unterschied zwischen Großstadt und Regenwald ist schon sehr speziell. Zwar regnet es hier auch immer wieder, aber nachts kühlt es nicht wirklich ab. Man schwitzt im Liegen, während ich ohne Schlafsack im Regenwald erfroren wäre. Es ist laut und schmutzig. Der besuch des Museu Goeldi, eine Mischung aus Zoo und völkerkundlichem Museum war auch eher frustrierend, der stupide im Käfig kreisende Jaguar hat nichts von dem wilden Tier des Waldes.

Gestern hatte ich dann Kontakt mit Vertretern der Landlosenbewegung. Zustande kam der über unser Veranstaltung im letzten Jahr in Stuttgart mit zwei MSTlern. Der MST betreut hier in Para 44 Teritorios, als Ansiedlungen unterschiedlicher Größe. Das Konzept des MST umfasst nicht nur die Ansiedlung von Menschen auf brachliegendem Land. Vielmehr werden alle Aspekte des Zusammenlebens berücksichtigt. Neben einer angepassten Landwirtschaft, das Ziel ist möglichst ökologischer Anbau, spielen Bildung, Kultur und Gesundheit eine große Rolle. In der brasilianischen Verfassung ist ein Landreform zwingend vorgesehen. Bisher wurde die aber von keiner Regierung angegangen. Bolsonaro hat die Landlosenbewegung als Terroristen beschimpft. Um so mehr brauchen sie unsere Unterstützung. Seit der Wahl haben die Landkonflikte und die Übergriffe auf Kleinbauern, Quilombolas, das sind die Nachfahren der schwarzen Sklaven, und Indigenen deutlich zugenommen. Ich werde in den nächsten Tagen eine Ansiedlung besuchen und mehr über die Arbeit des MST erfahren.

25. Januar, Pairakai/Aramira

Die Tage vergehen hier in ruhig und unaufgeregt. Ich habe viele Gespräche. Die Wajapi sind sehr interessiert, wie wir leben und sie haben ein großes Bedürfnis zu vermitteln, wie ihr Leben hier im Wald abläuft. Von den Enkelinnen von Singal werde ich an Armen, Rücken und Vorderseite mit traditionellen Mustern "bemahlt". Sie benützen dazu eine Pflanzenfarbe namens Janipapo. Es sieht wie tätowiert aus, hält aber nur etwa zwei Wochen. Wenn ich also wieder Zuhause sein werde, ist die Pracht leider nicht mehr sichtbar. Singal erklärt, um was es sich bei den einzelnen Musternhandelt. Es sind Motive vor allem aus der Tierwelt, Fischschuppen, Schlangenmuster und Schmetterlinge. Diese Pinturas sind in ihrer Tradition verankert und ihr Weg sich künstlerisch auszudrücken.

Wiseni holt mich mit dem Boot und Asurui begleitet mich auf dem Rückweg nach Armira. Nach den vielen Regenfällen ist der Fluss noch tückischer, aber wir bewältigen die Strömungen und die kleineren Wasserfälle gut. Im Dorf von Wiseni machen wir Rast und es gibt noch einmal Casiri. Ein junger Wajapi flechtet ein kleines Körbchen, Flechten ist Männerarbeit, und die anderen bestätigen sein besonderes Talent. Sie sagen, dassnur er das kann. Alle Männer können Tipitis flechten, mit denen die geraspelte MAniokmasse ausgepresst wird. Ich bekomme immer wieder vor Augen geführt, dass die Wajapi alles, was sie zum Leben brauchen, aus dem Wald erhalten. Dann erreichen wir Aramira im Regen. Ich verabschiede mich von Dominique, Juao, kann noch mit Kasipirina, einem alten ungmein sympatischen Kaziken sprechen und dann geht es zurück nach Macapa.

23. Januar, Pairakai

Heute Nacht war es richtig frisch und Kumare hat sich erkältet. Zum Frühstück bekomme ich ein Stück Schildkrötenfleisch und später bringt mir Wiseni, der Lehrer aus dem Nachbardorf noch etwas gekochtes Reh vorbei. Er ist mit dem Boot gekommen, weil wir hier an der Grenze des Reservats ein Hinweisschild wieder anbringen wollen. Es wurde schon mehrfach von nichtindigenen Eindringlingen heruntergerissen.Sie kommen von der nahe gelegenen Ansiedlung um zu jagen, was aber im Reservat für sie verboten ist.

Glücklicherweise sind es bislang "nur" Jäger und keine Goldsucher. Die haben hier vor rund 20 Jahren übel gehaust und mit Quecksilber die Flüsse verseucht. Das ist bis Heute ein Problem. In einem Gebiet soll man kein Wasser trinken und hier im Dorf muss es mit Hydrochlorid begandelt werden. Eine Tochter von Asuruis Bruder hat ihre erste Menstruation. Dazu wird es ein Fest geben. Dem Mädchen werden die Haare ganz kurz geschnitten und zur Einführung in die Erwachsenenwelt muss sie eine Probe bestehen, bei der sie mit Ameisen traktiert wird.Nach der zweiten regelmäßigen Menstruation kann sie heiraten. Sie hat schon alle Kenntnisse um ihre Aufgaben hier im Wald zu bewältigen. Es beeindruckt mich immer wieder, wie die jungen Wajapi ihre Kinder liebevoll versorgen und mit großer Verantwortung ihr Leben meistern.

22. Januar, Pairakai

Es hat wieder fast die ganze Nacht geregnet. Zum Frühstück bekomme ich Tataka, eine sehr schleimige Suppe mit reichlich Pimenta. Asurui und die anderen Männer des Dorfes brechen mit Gewehren und Pfeil und Bogen zur Jagd auf. Ich besuche mit Kumare ein anderes Feld nicht weit vom Dorf. Im Wald hält er inne. Ob ich das Geräusch höre, fragt er? Das sei ein kleiner Frosch, der ihm sage, dass es bald einen kurzen Regen gäbe. Und so kam es. Wieder begutachten wir die Pflanzen, es ist ein neues Feld, das erst im Herbst angelegt wurde. Kumare erklärt, seine Frau schicke ihn. Er muss nachsehen, ob alles in Ordnung ist, und ob die Pflanzen eine Düngung brauchen. Brauchen sie im Moment nicht.

Die Jäger kommen am Nachmittag erschöpft und durchnässt zurück. Sie hatten weniger Glück und bringen nur zwei kleinere Tiere mit, die ich aber nicht kenne. Später bringt Asurui etwas von dem gekochten Fleisch vorbei. Es schmeckt gut, aber ich kann es nicht zuordnen.Nach meinem Bad am Nachmittag hat es wieder heftig geregnet und mei Schlafsack ist dabei etwas nass geworden. Asurui hat sich am Fuß verletzt. Zur Jagd sind sie barfuß unterwegs und er ist in einen Dornen getreten. In den Gesprächen ist immer wieder die politische Situation Thema. Alle sind gut informiert und positionieren sich eindeutig gegen Bolsonaro. Sie haben vor allem Sorge, dass sie ihre Art zu Leben verlieren könnten. Sie betonen immer wieder, dass sie anders leben, als die Nichtindigenen, und dass das ihre Kultur sei. Sie wollen, dass das respektiert wird.

21. Januar, Pairakai

Meine vom Motorista besorgten Lebensmittel sind etwas speziell, mit heißem Wasser aufzugießende Nudelsuppen, Rosinen, Cajunüsse,Maniokmehl, Zwieback und Tee, aber ich werde über die Runden kommen.Von Singal, Kumares Frau, werde ich liebevoll mit Bananen, Beju, das ist das hiesige Maniokbrot, und anderen Wajapispeisen versorgt. Es wird hier immer gegen halb sieben morgens hell. Heute ist Ausruhen angesagt. Die Casiri ist ausgetrunken, das Fest ging noch die halbe Nacht. Nachmittags gehe ich mit Kumare und Singal auf´s Feld. Dazu müssen wir über den Fluss und ein Stück in den Wald.

Ich darf nur hinten gehen, bestimmt Kumare, weil ich den Wald nicht kenne und es hier viele Schlangen gibt. Auf dem Feld wird vor allem Maniok, Makaxeira, Bananen,Ananas, Pimenta und etliches andere, was ich nicht kenne, angebaut. Singal macht mitten auf dem Feld ein kleines Feuer und verbrennt etwas Haariges und Harz. Erst verstehe ich nicht richtig, aber es handelt sich um die traditionelle Art zu düngen. Das ganze Feld wird begutachtet und Kumare versucht mir die Pflanzennamen in Wajapi beizubringen. Abends versuche ich mit an einer der Fertigsuppen, aber die Bananen sind eindeutig gehaltvoller.

20. Januar, Pairakai

Heute ging es mit dem Boot von Wiseni, begleitet von Asurui und deren Frauen nach Pairakai. Wegen der Regenzeit sind die beiden Flüsse Rio Once und Rio Felic ziemlich angeschwollen. Wir müssen zwei mal aussteigen und ein Stück über Land gehen, während die Männer das Boot über die Casueiras ziehen. In Pairakai werden wir schon von Kumare, dem Kaziken, erwartet. Er ist schon gestern hier angekommen mit einem Canoa "per Handbetrieb". Ich komme in der alten Schule, dem einzigen Holzhaus hier unter. Dann gibt es Casiri in der Hütte von Asurui.

Kumare spielt eine lange Flöte, die aber nur über zwei Töne verfügt. Ich nehme noch ein Bad und werde prompt von einem heftigen Regenschauer überrascht. Es ist ziemlich schwierig hier die Klamotten trocken zu bekommen,weil es immer wieder regnet und die Luftfeuchtigkeit hoch ist. Ich verbringe eine ruhige Nacht mit viel Regen.

19. Januar, Aramira

Ich bin doch noch eine Nacht hier in Aramira. Gerade haben wir mit einem gemeinsamen Abschlussgespräch den Kurs beendet. Die AIS haben noch einmal betont, wie wichtig für sie die Unterstützung durch POEMA ist. Es gibt sonst niemand, der ihre Ausbildung finanzieren würde. Konkret wünschen sie Unterstützung, damit sie den Abschluss als Tecnico de infermagem erreichen können. Die AIS-Veterano stehen quasi kurz vor dem Erreichen des Tecinco. Das Problem dabei ist, dass sie gleichzeitig einen mittleren (allgemeinen) Bildungsabschluss nachweisen müssen. Juliana ist überzeugt, dass die Mehrheit der Veteranos das schaffen wird. Weiter wünschen sie sich Praxisbegleitung durch einen Arzt oder eine Ärztin. Das ist wichtiges Praxistraining vor Ort in ihren Dörfern. Das befähigt sie dann auch alleine mit den medizinischen Problemen zurecht zu kommen.

Neu auf der Wunschliste ist Unterstützung für ein Projekt zur Erfassung traditioneller Medizin. Es gibt hier viele Mittel aus dem Wald und sie wollen eine Art Register erstellen, welche Pflanzen wie, für welche Erkrankungen eingesetzt werden können. Die Nutzung traditioneller Medizin ist immer wieder Thema in der Ausbildung gewesen. Das das jetzt systematisiert werden soll, ist eine gute Idee. Außerdem gibt es den Wunsch, dass mehr Frauen an der AIS-Ausbildung teilnehmen, im Moment sind es nur fünf. Eine Idee ist einen Kurs für Frauen zum Thema Frauen- und Kinderheilkunde vielleicht noch in diesem Jahr anzubieten. Und zuletzt wurde wieder nach den kleinen Solarlampen gefragt, die für den EInsatz hier im Regenwald einfach ideal sind. Es haben nicht alle AIS welche erhalten und einige sind auch kaputt gegangen.

19. Januar, Aramira

Gestern Mittag kam dann der Senador Randolfo. Er besuchte erst das Dorf direkt neben dem Ausbildungszentrum und kam dann mit dem ganz Troß ins Zentrum, als es gerad wieder zu regnen begann. Dann wurden von den Wajapi in verschiedenen Vorträgen ihre Situation und ihre Forderungen erläutert. Zuerst befürchtete ich, dass das für den Senador eine Routineveranstaltung ist. Er ist aber in seinem Beitrag auf viele der Punkte der Wajapi eingegangen. Die politische Situation beschrieb er als sehr bedrohlich, nicht nur für die Indigenen. Dann nahm er Bezug auf die Parole "no pasaran". "No pasaran" für Bolsonaro und seine Vorstellungen zur Ausbeutung Amazoniens, "no pasaran" zum Abbau von Menschenrechten. Randolfo hält die bisherigen Maßnahmen zur Einschränkung indigener Rechte für einen Verstoß gegen die Verfassung und bestehende Gesetze. Er werde im Parlament für die Rechte der Indigenen kämpfen und dafür, dass der Amazonensische Regenwald nicht weiter zerstört wird.

Natürlich fand das alles die Zustimmung der Wajapi. Senador Randolfo ist einer der wenigen Politiker, der sich um Indigene Angelegenheiten kümmert. er gehört zur Partei von Maina da Silva, der ehemaligen Umweltministerin in der Regierung Lula. Auf seinem T-Shirt hatte er einen Spruch von Berthold Brecht im Sinne von "es gibt nichts, was nicht verändert werden könnte". Auch in der aktuell sehr schwierigen Situation darf die Hoffnung nicht verloren gehen. Wir hoffen hier erst mal ganz trivial, dass die Wasserpumpe heute repariert werden kann und die hygienischen Bedingungen sich wieder etwas normalisieren. Heute ist hier Aufbruchstimmung, der letzte Tag des AIS-Kurses. Die AIS schwitzen gerade über einer Prüfung zum Stoff dieser Woche. Danach gibt es noch ein Abschlussgespräch, indem wir über die weitere Zusammenarbeit und Unterstützung durch POEMA sprechen werden. Ich werde heute mit Asurui in sein Dorf aufbrechen und verabschiede mich erst Mal für eine Woche von der elektronischen Welt.

18. Januar, Aramira

Die Gruppe, die die Versammlung vorbereitet hat einen Text formuliert, der die Position der Wajapi erklärt und der dem Senador übergeben werden soll. Darin erklären sie, dass die Wajapi anderst leben, wie die Nichtindigenen. Sie leben in kleinen Gemeinschaften, nicht immer nur an einem Ort. Sie gehen auf die Jagd und pflanzen auf ihren Feldern Lebensmittel für ihren Bedarf. Die Ortswechsel dienen der Natur, damit sie sich wieder erholen kann. So leben sie vom Wald ohne ihn zu zerstören. Sie verlangen, dass die Nichtindigen ihre Lebensweise akzeptieren und tolerieren. Sie wollen in allen Angelegenheit, die ihr Territorium betreffen angehört werden und verlangen, dass ihre Stellungnahmen berücksichtigt werden. Sie stellen klar, wer in ihrem Namen sprechen kann, ihre Organisationen APINA und AWATAC, die die Wajapi repräsentieren.

Bei den Wajapi gibt es keine Führer, die für die anderen bestimmen. Jeder hat das Rcht seine Meinung zu sagen. In dem Schreiben äußern sie ihre große Sorge über die Einschränkungen der indigenen Rechte durch die neue Regierung. Konkret fordern sie die Rücknahme der Beschneidungen bei der FUNAI (Indigenenschutzbehörde), die Sicherstellung der Gesundheitsversorgung und der indigenen Bildung, das Verbot von Minenarbeiten und den Bau von Kraftwerken auf indigenen Gebieten oder in deren unmittelbaren Nähe, sowie die Verhinderung weiterer Entwaldung in der Amazonasregion zugunsten von Soja und anderen agroindustriellen Anpflanzungen. Sie weisen darauf hin, dass sie über andere Kenntnisse Erfahrungen verfügen, als die Nichtindigenen und wollen, dass diese anerkannt werden.

Gestern ist auch Dominique, die Gründerin unserer Partnerorganisation IEPE, einer Gruppe von Antropologen an der Universtät von Sao Paulo, angekommen. Sie ist trotz ihres Alters immer noch sehr aktiv, kennt hier jeden und jede, wird von allen herzlichst begrüßtund spricht natürlich fließend Wajapi. Sie erregt sich gleich heftig, als sie von den AIS erfährt, dass es gerade viele Malariafälle gibt, aber keine Malariatests zur Verfügung stehen. Ursache hierfür sind die überforderten Funktionäre der SESEI, die für die indigene Gesundheit verantwortlich sind. Nebenbei ist jetzt noch die Wasserpumpe defekt, so dass erst Mal für alles das Wasser vom Fluss hergetragen werden muss. Aber das ist für die Wajapi Alltag und kein größeres Problem.

17. Januar, Aramira

Gestern abend und heute morgen sind noch mal viele Menschen hier abgekommen um an der Versammlung morgen teilzunehmen. Die meisten Dörfer der Wajapi haben Vertreter geschickt. Etliche kenn ich von früheren Besuchen. Kumare, einer der älteren Kaziken aus Payrakay ist da, Aleman aus Yvyrareta, die Directoria von AWATAC, die ich schon in Macapa getroffen habe. Im Zentrum wird die Versammlung vorbereitet. Deshalb findet der Unterricht der AIS in der alten Schule statt. Gestern hat Eduardo, er forscht hier seit einigen Jahren über Leishmenose, seine Ergebnisse vorgestellt. Interessant war unter anderem, dass die Fälle von Leishmenose in gleichem Maße zunahmen, wie die illegale Invasion von Goldsuchern anstieg. Leishmenose macht üble Hautdefekte, die von unbehandelt nicht verheilen. Neben Malaria und Grippe ist das eine der häufigsten Erkrankungen, die die AIS behandeln müssen. Die Behandlung muss über 20 Tage kontinuierlich erfolgen. Entsprechend schwierig ist es, wenn nicht genügend Medikamente vorhanden sind.

Es ist immer wieder Thema, dass ohne die AIS die medizinische Versorgung der Wajapi nicht annähernd sicher gestellt wäre. Nichtindigenes Personal arbeitet nicht im Regenwald,sondern nur hier am Gesundheitsposten an der Straße. Viele Dörfer sind aber weit entfernt und nur in tagelange Fußmärsche erreichbar. Die Mehrheit der AIS hat jetzt eine Vertrag mit der für die Indigenen zuständigen Gesundheitsbehörde SESAI. Das bedeutet sie erhalten einen Mindestlohn, umgerechnet etwas mehr als 100 Euro, immerhin. Allerdings steht das ganze System der indigenen Gesundheitsversorgung durch die neue Regierung zur Disposition. Niemand kann sagen, wie es weitergehen wird. Bolsonaro hat angekündigt, dass es für die Indigenen keine "Sonderbehandlung" mehr geben soll. In Verbindung mit der Ankündigung, Amazonien endlich zur kommerziellen Ausbeutung freizugeben, lässt das nur die weitere Zerstörung Amazoniens und der indigenen Kulturen und deren Lebensraum befürchten. Noch nimmt der Alltag hier seinen üblichen Gang, aber es liegt etwas Ungutes in der Luft.

15. Januar, Aramira

Neben dem Kurs für die Ais findet in zwei Klassen auch Unterricht für die Kinder hier statt. Das Besondere hier ist, dass der Unterricht von Wajapi-Lehrern gehalten wird, und dass er in der Sprache der Wajapi stattfindet. Lesen, schreiben, rechnen, aber auch portugiesisch steht auf dem Stundenplan. Mein Eindruck ist, dass die Lehrer es hier einfacher haben, als bei uns. Die Möglichkeit etwas zu lernen wird noch wirklich geschätzt und es gibt weniger Ablenkung durch Medien etc.

Die AIS beschäftigen sich intensiv mit dem Thema Malaria. Es wird eine Lankarte mit den nachgewiesenen Erkrankungen erstellt, sowie ein Ranking in welchem Dorf die meiste Fälle aufgetreten sind. Dabei fällt auf, dass hier an der Straße und in Aramira, wo eine von Weißen betriebener Gesundheitsposten ist, die meisten Malariafälle auftreten. Eine Erklärung könnte die wenig engagierte Arbeit der nichtindigenen Beschäftigten des Gesundheitspostens sein. Zumindest wird das immer wieder von den AIS beklagt. Es gibt da immer wieder eine ungute Konkurenz zwischen den sogenannten Tecnicos de Enfermagem (nichtindiges Pflegepersonal) und den AIS. Die beiden Ärztinnen, Mariana und Simone, die die AIS unterrichten, bestätigen, dass das Wissen der Tecincos oft geringer ist, als das der AIS. Aber sie stehen in der Hierarchie über ihnen und lassen sie das immer wieder spüren. Eigentlich beginnt der Unterricht morgens um 8 Uhr. Es dauert aber immer etwas länger, weil morgens über Funk mit den Dörfern kommuniziert wird. Heute morgen wurden wieder drei neue Malariafälle gemeldet.

13. Januar, Aramira

Pünktlich um 9 Uhr wurde ich von Milton, meinem Motorista, abgeholt. Es gab noch eine kleine Aufregung, weil meine Scheckkarte nicht bezahlen wollte, aber das konnte gelöst werden. Wir hatten Glück, weil es nur einmal kurz und heftig regnete und durch den Sonntag der Verkehr sich sehr in grenzen hielt. So waren wir schon nach fünf Stunden im Reserva Wajapi. Gerade fing der Nachmittagsunterricht an. Einige der AIS (Agente Indigena de Saude) fehlen noch, weil die Anreise immer schwierig ist und wieder mal Bootsmotoren kaputt sind. Einige werde erst morgen eintreffen. Von Patena, er war schon zu Besuch in Deutschland, und vielen anderen werde ich herzlich begrüßt.

Im Unterricht geht es erst mal um Wiederholung zum Thema Malaria. Leider sehr wichtig und aktuell. Im vergangenen Jahr hat die Zahl der Malariafälle mit über 400 extrem zugenommen, bei einer Population von etwas mehr als 1200. Diese Zunahme läßt sich nicht wirklich erklären. Es wären aber auf jeden Fall aktuell besondere Maßnahmen erforderlich um das Problem einzudämmen. Damit seht es gegenwärtig aber schlecht aus. Im Moment ist unklar, wer zukünftig in Brasilia für die Indigene Gesundheit zuständig sein wird. Alle warten ab, es fließt kein Geld und das wirkt sich vor Ort verherrend aus.


Es zeigt sich, dass sich die AIS mit dem Thema Malaria gut auskennen. Sie antworten zwar zögerlich, aber das ist eher ihrer zurückhaltenden Art geschuldet. Von den anwesenden AIS waren bis auf einen alle schon an Malaria erkrankt. Das bestätigt sich dann auch beim praktischen Test, der übungshalber bei ihm durchgeführt wird. Bevor es dunkel wird installiere ich noch meine Hängematte und hoffe, dass ich heute nacht vom Regen unbehelligt bleibe.

12. Januar, Macapa

Gestern Morgen gab es erst mal einen kräftigen regenguss, so dass ich das Hotel erst gar nicht verlassen konnte. Etwas später ging es dann doch und ich erreichte über teilweise überschwemmte Strassen das Büro unserer Partnerorganisation IEPE. Praktischerweise haben die Wajapi jetzt das Büro für ihre Organisation AWATAC genau gegenüber. Dort traf ich dann die Vorstände, lauter junge Männer, von AWATAC bei einer Sitzung. Sie waren dabei eine Versammlung vorzubereiten, auf der die Kaziken verschiedener Dörfer und indigener Völker über Widerstandsmaßnahmen gegen die neue Regierung beraten wollen. Das ist eh mein erster Eingruck, dass die Indigenen klar und eindeutig Position gegen Bolsonaro und seine Maßnahmen beziehen und sich organisieren. Bei den bisherigen Gesprächen mit "weißen" Brasilianern hatte ich eher das Gefühl, alle sind noch in einer Schockstarre. Es gibt viel Angst. Wenn über politische Themen gesprochen wird, wird geflüstert, und die Leute schauen sich um, wer in der Nähe ist und mithören könnte.


Nachts hat es auch wieder heftig geregnet. Ich musste heute morgen ins Zentrum um Hängematte und Moskitonetz zu besorgen. Auf der Hauptgeschäftsstrasse brüllte ein Evangelikaler unterstützt durch Mikrofon und Lautsprecher erst Bibeltext, dann irgend eine Predigt in den morgentlichen Verkehr. Zugehört hat eigentlich keiner, aber er war nicht zu bremsen. Morgen werde ich um 9 Uhr abgeholt und dann gehts ins Reserva Indigena. Ich bin etwas in Sorge wegen des Regens. Die ersten hundert Kilometer der Straße in Richtung Französisch Guayana sind noch geteert. Dann gibt es nur noch Piste, und das wird bei dem Regen dann schwierig. Aber Juliana von der IEPE hat mir versichert, dass ich von einem sehr erfahrenen Motorista gefahren werde. Möglicherweise kann ich mich dann die nächsten zwei Wochen nicht melden. Im Reservat gibt es zwar mittlerweile Internet, aber das funktioniert vor allem in der Regenzeit eher nicht. Also, bis dann!

11. Januar, Macapa

Es ist ein eigenartiges Gefühl hier in Brasilien anzukommen und zu wissen, dass gleichzeitig die Amtszeit des neu gewählten Präsidenten begonnen hat. Bereits in den ersten Tagen hat dieser Trump Brasiliens alle Befürchtungen, die mit seiner Person verbunden sind, bestätigt: Reduzierung des Mindestlohns, Entlassung vermeintlicher Linker aus den Ministerien, Überwachung von NGOs, Streichung der Mittel für den Kampf gegen Trans- und Homophobie, Angebot eines Militär-Stützpunkts an die USA, die Ausweisung und die Verwaltung indigener Territorien durch das von rechten Agrar-Lobbyisten beeinflusste Landwirtschaftsministerium, die bisherige Leiterin der Umweltbehörde IBAMA wurde mit falschen Korruptionsvorwürfen zum Rücktritt gedrängt, usw.
Von all diesen Veränderungen ist auf den ersten Blick bei der Ankunft nichts zu bemerken. Es ist laut und geschäftig wie immer, beim Zoll und bei der Visumserteilung gibt es keine Probleme. Ich komme mitten in der Nacht an. Der Taxifahrer hat kein Wechselgeld, also kurz zur nächsten Tankstelle, wo das Problem geregelt wird. Ja die Regenzeit hat begonnen, erklärt er und die letzten Tage hat es richtig viel geregnet. Das wird die Fahrt ins Reservat der Wajapi spannend machen. Nur knapp die Hälfte der Strecke ist asphaltiert. Danach staubige Piste, die durch den Regen zur Schlammrutsche wird.


Voraussichtlich werde ich am Sonntag ins Reservat aufbrechen. Dort findet ein Ausbildungskurs für die AIS (Agente Indigena de Saude) statt. Ich freue mich schon alle wiederzusehen, unter Anderem Patena und Asurui, die ja auch schon bei uns in Deutschland waren.