Reisebericht Oktober/November 2016

Von Gerd Rathgeb und Johann Graf

22. Novemer, Macapa

Mein letzter Tag dieser Reise ist angebrochen. Heute Nachmittag starte ich die Heimreise ueber Belem, Lissabon und Frankfurt nach Tuebingen. Gestern hatte ich noch ein langes Gespraech mit Juliana und Maira von der IEPE, unserer Partnerorganisation hier, die die Arbeit für die Wajapi organisieren. Sie haben noch einmal erklaert, wie wichtig die Kurse fuer die Gesundheitsversorgung sind und vor allem, dass die Wajapi wirklich viel gelernt haben und vor allem in der Praxis ausserordentliches Leisten. Es ist zu befuerchten, dass die brasilianische Regierung die Rechte der Indigenen weiter bechneiden wird. Auch im Gesundheitsbereich soll es erhebliche Einschnitte geben. Dagegen gibt es massiven Widerstand von Indigenen. Auch die Besetzung des Gesundheitssekretariats hier steht in diesem Zusammenhang. Die Kurse fuer das naechste Jahr sind in Planung. Im Januar findet ein 10-taegiger Ausbildungsblock statt. Ein Thema dabei ist das Zusammenwirken von "weisser" traditioneller Medizin. Der neue AIS-Kurs wird sich vor allem mit Kinderkrankheiten befassen. Ich wurde noch ein Mal darum gebeten die Zusammenarbeit und die Finanzierung der Gesundheitsausbildung bei den Wajapi weiter zu unterstuetzen, weil es wirklich hilfreich und nuetzlich ist, was hier vermittelt wird. Es staerkt ausserdem die Autonomie der Indigenen. Die Bitte um Unterstuetzung gebe ich hiermit weiter. Poema kann diese Arbeit nur mit Hilfe unserer Spender leisten. Wir hoffen weiter auf ihre Hilfe! Mit einem letzten Blick auf den Amazonas verabschiede ich mich und damit ist unsere Reise und der Bericht darueber zu Ende. Wer mehr Informationen will, und die gibt es reichlich, darf uns gerne einladen. Wir kommen in Schulen und zu interessierten Gruppen und berichten.

21. Novemer, Macapa

Meine Rueckreise war chaotisch und anstrengend. Ich hatte mit Asurui vereinbart, dass wir wegen des niedrigen Wassers sehr frueh aufbrechen. Am Samstag nachmittags machte er sich mit Kind und Familie ins Nachbardorf auf. Am Sonntag tauchte er dann mit immer noch von Casiri glaenzenden Augen um 11 Uhr endlich wieder auf. Ich war etwas in Rage, weil es jetzt unnoetig eng wurde. Die Wajapi hatten das Boot irgendwie naeher nach Maryry gebracht, was aber nicht unbedingt eine gute Idee war. Ich durfte mit dem Motorista ins Boot, waehrend der Rest meiner Mitfahrer das erste Stueck durch den Wald zuruecklegte. Besser waere ich sicher gelaufen, weil es eine ueble Schufterei war das Boot immer wieder ueber umgefallene Baeume, Sandbaenke und sonstige Hindernisse zu schleppen. Nach etwa eineinhalb Stunden Schwerstarbeit stiegen die Anderen zu. Im Boot waren jetzt sieben Erwachsene , drei Kinder und ein Casirifass. Das Wasser reichte etwa eine Hanbreite bis zum Bootsrand. Immer wieder befuerchtete ich, dass das Boot kippt, und regelmaessig schwappte ein Schwall Wasser herein. Die Wajapi kamen mit der Casiri richtig gut drauf, was aber die Manoevrierkuenste nicht verbesserte. Mit viel Glueck kamen wir nach Einbruch der Dunkelheit in Jakare an der Perimetral Norte an, wo Raul unser Fahrer schon lange auf uns wartet. Gegen Mitternacht war ich dann gluecklich in Macapa.

19. Novemer, Maryry

Ich erwache an dem Geruch von Feuer, dass Asuruis Frau schon entzuendet hat. Es gibt Tee und Zwieback. Heute soll hier eine groessere Versammlung stattfinden. Im Moment ist es noch ganz ruhig. Als ich vor einem Jahr im August hier war wurde gerade mit dem Bau einer neuen Gesundheitsstation begonnen. Die Baustelle ist verwaist, und ausser ein paar Backsteinen ist von ihr nichts mehr zu erkennen. Der Bau wurde abgebrochen als die Strasse ins Reservat waehrend der Regenzeit fuer einige Tage nicht passierbar war. Jetzt heisst es, dass mit den Arbeiten im Januar vielleicht wieder begonnen wurde. Es ist ein Drama. Es gab lange Auseinandersetzungen um den Neubau dieses Posto de Saude. Alle waren so froh, als im letzten Jahr mit dem Bau begonnen wurde. Und jetzt das. So richtig glaubt hier noch niemand an die Baufortsetzung. Gegen neun Uhr sind tatsaechlich ueber 30 Wajapi hier eingetroffen. Es werden mehrere Reden gehalten. Dabei geht es immer wieder um die Arbeit der AIS, von denen auch einige hier sind. Die Sorge, wie sie in der Zukunft leben koennen treibt die Wajapi um. Viele leben mittlerwiele tief im Reservat, weil sie moeglichst wenig Kontakt mit der "weissen Welt" haben wollen. Andere haben ihr Leben angepasst, allerdings um den Preis des Verlustes ihrer Autonomie. Sie leben quasi von den Almosen des Staates, aber auch diese drohen gestrichen zu werden. Von den AIS kommt vor allem die Frage, ob Poema weiter Kurse finanzieren wird. Sie wollen die Ausbildung fortsetzen bis zum "Tecnico de Infermagem". Der Hintergrund dafuer ist, dass sie als AIS nur sehr eingeschraenkt medizinisch taetig sein koennen. Zm Beispiel duerfen die AIS keine Malaria-Diagnostik machen, obwohl sie es koennen und obwohl dies auch sinnvoll waere. Ich sage zu, dass wir sie auf jeden Fall auch in Zukunft unterstuetzen werden. Die Frage der Ausbildung zum Tecnico werden wir gemeinsam mit Juliana von unserer Partnerorganisation IEPE besprechen. Immer wieder gibt es Fragen dazu, wie wir in Deutschland leben. Dass ich in einem Krankenhaus mit ueber 1000 Aerzten arbeite ist fuer sie unvorstellbar. Viele haben noch nie einen Arzt gesehen. Kasipirina, einer der alten Kaziken der Wajapi, ist ueber zwei Stunden zu Fuss hier hergekommen, um seine Freude und seine Annerkennung ueber die Partnerschaft mit Poema zum Ausdruck zu bringen. Er umarmt micht heftig und herzlich, was hier nicht so ueblich ist. Er bringt auch Gruesse seines Freundes WaiWai, der es sehr bedauert nicht hier zu sein. Er ist ebenfalls in einem Dorf an der Grenze, das 8 Tagesmaersche entfernt ist.

18. November, Maryry

Am anderen Morgen findet dann eine Versammlung statt. Sie erklaeren erneut die praekaere Situation bei der Krankenversorgung. Dann erzaehlen sie, dass sie Sorge im das Reservat haben. Eine Minengeselschaft hat sich direkt an der Grenze zum Land der Wajapi angesiedelt und Probeborungen gemacht. Vor dem Hintergrund der geplanten Verfassungsaenderungen, die den Schutz der Reservae bei wirtschaftlichen Interesse aufhebt, sind diese Aengste sehr berechtigt. Und immer wieder die Frage, ob Poema weiter die Wajapi unterstuetzen wird. Dann brechen wir wieder Richtung Maryry auf. Der Fluss ist jetzt so niedrig, dass wir immer wieder aus dem Boot heraus müssen. Dann geht es nicht mehr weiter auf dem Fluss. Nach einem Fussmarsch von etwa eineinhalb Stunden erreichen wir endlich Maryry. Aber das Dorf ist quasi verlassen. Im Moment lebt nur eine Familie hier. Alle anderen sind an der Grenze in einem anderen Dorf. So uebernachte ich mit Asurui und seiner Familie in einer der verlassenen Huetten. Das Wasser im Fluss reicht immerhin noch fuer ein erfrischedes Bad

17. November, Karapioty

Die Reise nach Amapa begann etwas holperig. Mein Flug war aus unerfindlichen Gründen gecancelt und ich sollte neu buchen. Nach einigem hin und her kam ich dann doch um Mitternacht in Macapa an. Am anderen Morgen wurde ich abgeholt und der erste Weg fuehrte zum SESEI-Gebaeude (Secretatia espesial da Saude Indigena), das immer noch von den Wajapi und anderen Indigenen aus der Region besetzt ist. Der Hintergrund für die besetzung ist die miserable Versorgung im Bereich Gesundheit, insbesondere seit die Leitung im Mai diesen Jahres gewechselt hat. Seit dem ist die medizinische Versorgung zusammengebrochen. Bei der Besetzung geht es um dieses Problem.Außerdem wollen die Indigenen an der Spitze der SESEI keine Weissen, sondern einen Indigenen. Poema hat diese AKtion auch finanziell unterstützt, die Besetzer muessen transortiert und verpflegt werden. Ein Ende der Besetzung ist im Moment nicht absehbar. Dann mussten wir die notwendigen Einkaeufe taetigen, Lebensmittel, Sprit fürs Boot, Moskitonetz etc. Die Strasse nach Aramira, wo sich das Bildungszentrum kurz hinter der Grenze des Reservats befindet, ist jetzt in der Trockenzeit zwar staubig, aber gut befahrbar. Begleitet werde ich von Asurui, einem AIS (agente indigena da saude) und seiner Frau und dem Einjaehrigen Jese. Ausserdem fährt mit uns zurueck ins Reservat der Kazike Sara, der sich an der Besetzung beteiligt hat und mit Asurui letzte Woche mit einer kleinen Delegation in Brasilia bei verschiedenen Organisationen und Abgeordneten vorstellig war. Wir uebernachten im Schulungszentrum, wo im Moment kein Kurs stattfindet. Am Morgen geht es weiter. Wir machen kurzen Halt im Dorf Cachoerinha, dem Dorf von Sara. Es gibt eine kleine Versammlung. Karavju, AIS hier erzaehlt von seiner Arbeit. Im Moment gibt es weder Malaria noch Durchfallerkrankungen. Ein Kind hat sich bei einem Sturz schwer verletzt und muss in die Stadt. Es gibt Probleme mit dem Transport. Vielleicht nimmt unser Fahrer Bert das Kind auf dem Rückfahrt mit. Seine wichtigstes Anliegen ist aber, ob Poema die Wajapi weiter unterstuetz und ob es weiter Kurse fuer die AIS geben wird. Am Ende der Strasse (beim Bau dieser Transperimetral norte waehrend der Militaerdikdatur wurden die Wajapi "entdeckt") gehen wir auf den Fluss. Er hat jetzt zum Ende der Trockenzeit extrem wenig Wasser, was fuer die Bootsfahrt nichts gutes verheist. Wenn es mehr Wasser hat braucht man nach Maryry 3 bis 4 Stunden. Wir fahren nur bis Karapyoty und brachen dafür über 6 Stunden. Wir werden dort von Aikyry, dem Kaziken, der auch gleichzeitig Lehrer ist, erwartet. Zur Feier des Tages gibt es Casiri. Ich werde bemalt und bekomme zu meiner Suppe Affenfleisch vom "grossen Affen", wie man mir erklaert. Bei Einbruch der Daemmerung darf ich mich in die Haengematte zurueckziehen. Das Fest geht aber auch nicht mehr allzulange.

14. November, Cameta

Die letzte Etappe unserer Reise zu dritt war heute angesagt. Los ging es von unserer Unterkunft in Cameta mit dem Auto zum Rio Anuara. Dort stiegen wir in die bestellte Voadeira (Schnellboot), das uns in einer guten Stunde nach Oeiras do Para brachte, dem Ort, in dem Bena mit ihrer Familien wohnt. Der Rio Anuara ist ein reizender Fluss mit vielen Wendungen und durchgehend bewaldetem Ufern. Die Haeueschen der Riberinhos (Flussbewohner) faszinieren immer wieder und die Fischer, die wie Artisten in den kleinen Booten stehen und ihrer Arbeit nachgehen. Nach dem Fruehstueck in Benas Haus stiegen wir in ein Auto und fuhren nach Sao Tome, einem Ort, 12 km von Oeiras entfernt. Es ist allerdings kein Ort wie wir ihn uns vorstellen. Die Haeuser der einzelnen Familien sind einige km voneinander entfernt und dazwischen ist Sekundaerwald und Buschland. Jede Familie hat bis zu 50 ha Land, von dem sie in aller Regel nur ganz wenig bebauen, - und das meistens mit Manioka....wie fast alle! Die Strasse ist eine in der Regenzeit schwer zu befahrende Sandstrasse, was allerdings nichst so schlimm ist, weil keine der Familie ein Auto hat. Verkehrsmittel sind Fahrraeder, kleine Motorraeder und der Omnibus, der auch die Kinder zur naechst gelegenen Schule bringt. Strom haben die Haeuser nicht, obwohl ganz in der Naehe die Hochspannungsleitung von Tucurui nach Belem liegt. Fuer die Energiefirmen wohnen offensichtlich zu wenig Leute dort...und so werden sie seit Jahren einfach vergessen. Bei unserem letzten Besuch vor einem Jahr haben wir mit Bena und Cucia, dem Praesident von Sao Tome vereinbart, in die einzelnen Haeuser Wasser zu bringen. Seither benutzten sie einfache und handgegrabene Brunnen von vielleicht mal 6 m, die oft in der Trockenzeit kein Wasser mehr haben. Sie haben sozusagen nach sauberem Trinkwasser gelechzt. Mit tatkraeftiger Hilfe einer Firma in Oeiras, Bena und Bernardo, gibt es seit einigen Wochen in 6 Haeusern Brunnen von 20 m Tiefe, Solarpumpen, Solarpaneele und Wasserbehaelter in in vier oder fuenf Metern Hoehe. Und jetzt, so haben wir es voller Freude gesehen, ist in jeder Kueche ein Wasserhahn, aus dem sauberes Trinkwasser kommt, das wir auch genossen haben. Einer hat auch schon eine Dusche gebastelt. Eine ganz neue Erfahrung fuer die Leute, mit Solarenergie Brunnen zu betreiben. Sie koennen ihr Glueck kaum fassen, wenn sie es auch nicht so aeussern, wie wir uns das vorstellen. Aber man spuert es - und im Dank an uns ist meistens auch der liebe Gott mit im Spiel! Doch es ist noch nicht alles. Die Leute sind naemlich schon dabei, die einen mehr und die anderen weniger, einen Hektar ihres Landes frei vom Busch zu machen. Ende Dezember und Anfang Januar sollen auf diesem Land, wie in den Regionen, die wir schon beschrieben haben, auch Fruchtpflanzen und Baeume gepflanzt werden, die ja jetzt, nachdem Wasser da ist, auch in Trockenphasen bewaessert werden koennen. Es gibt also nicht nur sauberes Trinkwasser in einigen Haeusern in Sao Tome, sondern auch kleine Projekte der Wiederaufforstung. Es gibt den Menschen Hoffnung auf ein besseres Leben, endlich fuehlen sie sich auch geachtet und wertgeschaetzt in ihrer oft dristen Lage. Und das alles kurz vor Natal, dem Weichnachtsfest! Morgen abend trennen sich unsere Wege. Waehrend Hans und Gerd von Belem nach Lissabon und weiter nach Frankfurt fliegen, fliegt Johann nach Macapa und geht von dort ins Reservat der Wajapi-Indios, mit denen wir schon seit ueber 8 Jahren zusammenarbeiten. Wir wuenschen im eine gute Reise und eine gute Woche zusammen mit den Wajapi, die nach dem Regierungswechsel in Brasilien nicht ohne Sorgen in ihre Zukunft blicken. Johann wird, sofern dies technisch moeglich ist, auch von dort berichten.. Dank allen, die unsere Beriche gelesen haben. In unserem naechsten Rundbrief, der Anfang Dezember erscheint,werden wir weiter berichten.

12. November, Cameta

Heute starteten wir unseren "Arbeitstag" mit einem Besuch in der Schule "Casa Familie Rural" in Cameta. Dies ist eine Schule, in der rund 70 SchuelerInnen lernen, wie unter den tropischen...und Regenwaldbedingungen, Landwirtschaft betrieben werden kann. Die Jugendlichen sind eine Woche in der Schule, wo sich auch wohnen und gehen dann fuer zwei Wochen zu ihren Kleinbauern-Familien zuruek um das erlernte in die Praxis umzusetzen. Das wiederholt sich, bis nach 2 Jahren der Abschluss gemacht wird., Finanziert wird die Schule von der Uni, die die Lehrer stellt, von der Stadt Cameta und jetzt auch von der Firma Natura, die mehrere soziale und oekologische Projekte in Brasilien unterstuetzt. Dann haben wir am Vormittag noch zwei Wiederaufforstungsprojekte in Cupijo besucht und am Nachmittag ein Projekt in Porto do Campo, beides Orte rund 15 km von Cameta entfernt. Auch hier bauen die Familine primaer Acai, Kakao und Pfeffer an und dazwischen versch. Baeume, wie wir es auch gestern schon in Nova America gesehen haben. Die Bewaesserung funktioniert gut, wenn es auch, wie in einem Fall, Probleme gab, und die Leitungsrohre noch nicht angeliefert wurden. Man kann dann sofort sehen, was Wasser fuer die Pflanzen bedeutet und wie die Setzlinge verkuemmert aussehen. Spannend zu sehen ist, wie die Kleinbauern versch. Versuche der Bewaesserung machen und die einen z.B die Pfefferpflanzen von oben besprengen, waehrend die anderen dies von unten tun. Die dabei gemachten Erfahrungen auszutauschen, ist eine wichtige Aufgabe der Landwirtschaftstechnikerin Franca .Das alles ist nicht so ganz einfach, weil die Leute weit auseinander wohnen, die Wege in der Regenzeit schlecht befahrbar sind und die Leute kein Auto haben. Bedingungen, wie wir sie uns im hochmotorisierten und strassenvernetzten Deutschland schlecht vorstellen können. Umso erfreulicher ist es immer wieder zu sehen, wie Kreativitaet und Phantasie ueber viele alltaeglichen Schwierigkeiten hinweghelfen.

11. November, Cameta

Am Mittwoch, 9.11. haben wir Altamira wieder verlassen und sind mit dem Bus in 8 Stunden nach Tucurui gefahren um dort zu uebernachten und am Donnerstag weiter nach Cameta am Unerlauf des Rio Tocantins zu fahren. Das bedeutete 4 Stunden auf Sandstrassen. Wir kamen nachmittags in der Pousada unseres Freundes und Partners Bernardo an. Er ist Hollaender, der in Cameta lebt und frueher bei einer hollaendischen Hilfsorganisation - vergleichbar mit Misereror hier, gearbeitet hat. Mit ihm zusammen und mit unserer Freundin und Partnerin Bena aus dem Nachbarort Oeiras do Para, sind wir heuite am Freitag den 11.11. zum Ort Nova America gefahren. Dort haben wir 4 kleinere Wiederaufforstungsprojekte/Sistema Agroflorestal besucht. Jeweils eine Familie bepflanzt einen oder einen halben Hektar Land mit verschiedenen Pflanzen wie Kakao, Acai, Melonen, Manioka, aber auch Baeumen wie Andiroba, Cedro, Acapuoe, Ipe amarela und Palmen wie z.B. Pupunha. Im ersten Projekt war die Pflanzung ganz neu und die Pflanzen entsprechend klein, waehrend im zweiten Projekt schon vor einigen Jahren gepflanzt wurde und wir uns schon in einem kleinen Wald wiedergefunden haben. Es war ein ganz tolles Gefuehl "endlich" Wachsen zu sehen, nachdem wir die zwei Tage zuvor auf der Fahrt von Altamira nach Cameta fas ausschliesslich degradiertes Land und Rinderweiden gesehen haben. Es geht bei unseren Projekten in der Region Cameta also um Neupflanzungen. Mehrere Akteure sind daran betgeiligt. Die Familien richten die Flaechen her, machen die notwendigen Handarbeiten. Eine Landwirtschaftstechnikerin, die bei der Kirche angestellt ist, begleitet die Arbeiten und beraet die Kleinbauern ueber die Grundsaetze von solchen Pflanzungen, ein Brunnendbauer bohrt die Brunnen, die in der Regel rund 20 m tief sind und Poema bezahlt die Materialien wie Pumpe, Solarpaneele und die notwendigen Leitungen zu Bewaesserung. Bewaesserung deshalb, weil es in den lezten Jahren oefter zu langen Trockenphasen gekommen ist und die jungen Pflanzen dies nicht ueberleben wuerden. (Der Klimawandel laesst gruessen!) Geduengt wird z.T. mit Huehnermist aber in erster Linie dadurch, dass moeglichst alle Biomasse am Boden liegen bleibt. 20 solcher Projekte haben wir in der Umgebung von Nova Amerca schon finanziert und es ist eine grosse Freude zu sehen, wie engagiert die Leute bei der Sache sind. Die zentrale Wasseranlage in Nova America wurde uebrigens vor einigen Jahren errichtet mit den Mitteln, die Wolfgang Simon in Erdmannhausen gesammelt hat. Im Ort Uxi, in dem wir anschliessend waren, gab es Licht und Schatten. Licht deshalb, weil die Wasseranlage im Ort, die Dieter Streicher mit Aktionen in Beilstein ermoeglicht hat, endlich richtig funktioniert und jetzt die Schule und der Grossteil der Haeuser Trinkwasser im Haus haben. Dazu haben sie im Ort Sammlungen gemaecht, um eine staerkere Pumpe und einen zusaetzlichen Transformator zu kaufen. Die Wasserversorung funktioniert also. Was die Neupflanzungen angeht haben wir aber, und das sind die Schattenseiten, gesehen, dass nur wenige der bei der Versammlung anwesenden, Interesse gezeigt haben. Entweder war ihnen die notwendige Arbeit zu viel und sie dachten, dass alles fuer sich gemacht wird, waehrend andere angeblich auf Grund der Sozialhilfe (Bolsa Familia), keine Lust haben, die Arbeit der Bepflanzungen zu machen und sich den Reis und die Bohnen lieber gleich im Supermarkt in der Stadt kaufen. Es war interessant fuer uns zu sehen, wie zwei Doerfer, die gerade mal 20 km auseinanderliegen, voellig unterschiedlich ticken und unterschiedlich organisiert sind. In Nova America Engagement und Anpacken. In Uxi eher Passivitaet und wenig Bereitschaft selbst anzupacken. .Auf dem Rueckweg machten wir dann noch Halt bei Olavo gemacht, der schon seit ueber 15 Jahren Baeume pflanzt und das Ziel hat, aus seinen 60 ha Land einen Wald zu machen mit verschiedensten Baeumen Und so kamen wir nach fast 10 Stunden muede in der Pousade an....aber auch froh und zufrieden, ueber die Projekte des "Wachsens und Gruenens".

8. November, Santarem

Am 7.11. haben wir nach einer guten Woche Abschied von Santarem genommen. Mit einem kleinen Flieger, wir waren gerade mal 8 Passagiere, ging es zunaechst fuer einige Minuten ueber das Amazonas-Flussystem mit seinen vielen Inseln, Nebenfluessen und Kanaelen. Es ist ein unglaubliches Zusammenspiel von Wasser, Inseln, Sandbaenken und Binnenseen auf den Inseln. Und viele kleine Doerfer waren zu erkennen. Einige davon haben wir ja vor einigen Tagen besucht. Dann ging die Landschaft ueber in einen geschlossenen Regenwald - fast eine halbe Stunde lang nur Wald und die Ahnung, wieviel Leben es auf und unter diesem Regenwalddach wohl gibt. Je naeher der Flieger in Richtung Altamira kam, veraenderte sich das Bild von oben allerdings drastisch. Wie mit einem Lineal gezogen wurde der Regenwald gerodet und Rinderweiden daraus gemacht. Die Rinder waren von 3000 m Hoehe zwar nicht zu erkennen, deutlich sichtbar aber waren die vielen Wasserloecher mit einem Durchmesser von mehreren Metern, aus denen die Rinder ihr Wasser holen. Die Frage nach dem Sinn draengte sich auf aus Regenwaldgebieten Weideland zu machen. Rindfleisch fuer die Welt, scheint die Devise zu sein. In Altamira sind wir gut angekommen...und zwei Stunden spaeter sassen wir zusammen mit Erwin Kraeutler und haben von ihm erfahren, dass die Gewalt in der Stadt nach wie vor enorm hoch ist, was u.a. damit zusammenhaengt, dass inzwischen Tausende Arbeiter, die am Belo Monte Bau beteiligt waren, entlassen wurden und auf der Suche nach einer neuen Zukunft sind. Und es sind wohl nicht wenige, die mit Einbruechen, Mord und Totschlag versuchen, aus ihrem Schicksal zu entkommen. Erwin Kraeutler berichtete auch ueber den vor einigen Wochen geschehenen Mord an dem Umweltbuergermeister von Altamira und meinte, dass es ein Rachemord war, weil der Buergermeister Umweltvergehen anzeigt und verfolgen liess. Erwin Kraeutler ist zwar nicht mehr Bischof der Dioezese Altamira, hat aber noch verschiedene Auftraege der bras. Bischofskonferenz, so dass er auch in den naechsten Jahren in Altamira sein wird. Heute sind wir zu den Kanaelen (siehe Bild) gefahren, die das Wasser vom Xingu zum Kraftwerk leiten und dem Xingu auf einer Laenge von ueber 60 km das Wasser nehmen...mit fuerchterlichen Folgen fuer Tiere und Menschen am Flus Auf dem Weg dorthin kamen wir an einem der Holzlager vorbei, in dem die Baeume liegen, die dem Kraftwerksbau zum Opfer fielen. Und trotzdem sagen die Befuerworter noch "saubere Energie", wenn sie von Belo Monte reden. Von den Kanaelen sind wir dann ueber 30 km zum Staudamm mit den Turbinen gefahren und mussten feststellen, dass nicht eine Turbine in Betrieb war. Es scheint nicht genuegend Wasser da zu sein. Jetzt gegen Ende der Trockenzeit fuehren die Fluesse in Amazonien oft nur die Haelfte der normalen Wassermenge. So bleibt ein bedrueckendes Bild von der Stadt und ihrer Umgebung. Fuer die einen bedeutet Belo Monte Geld und "saubere Energie". Fuer die anderen heisst Belo Monte Vertreibung, Entzug der Lebensgrundlagen und Naturzerstoerung im grossen Ausmasses. Wenn das "Fortschritt" sein soll, dann gute Nacht ihr Regenwaelder, ihr Tiere und ihr Menschen, fuer die der Wald Leben und Ueberleben bedeutet.

5. November, Santarem

Am Donnerstag war die Fahrt mit dem Schnellboot den Rio Arapiuns hinauf angesagt um dort Doerfer zu besuchen, in denen in den naechsten Monaten Trinkwasseranlagen, wie immer mit Solarenergie, errichtet werden sollen. Mit dabei war wieder Wolfgang, Toninho und Cipriano, die die Projekte vor Ort realisieren. Um zum Arapiuns zu kommen, muss zuerst das 40 km breite Gebiet, in dem der Tapajos in den Amazonas muendet, ueberbrueckt werden. Allein das dauert mit dem Schnellbott eine Stunde und dann geht es den Arapiuns hinauf...weitere rund 100 km. Unser erster Halt war der Ort Pascoal, in dem gerade die Leute von Cipriano, dem Brunnenbauer, zu Werke waren. Sie sind bereits bei einer Brunnentiefe von rund 25 m angekommen. Wir haben dann die Solarpaneele aufgestellt, die Pumpe angeschlossen und einen Testlauf in einem Eimer Wasser durchgefuehrt. Alles funktionierte und in den naechsten Tagen kann die Anlage in Betrieb genommen werden. Ein sehr wohltuendes Gefuehl! Zweite Station war der Ort Monte Siao. Er ist schon schwieriger zu erreichen, weil jetzt in der Trockenzeit die Fluesse am Oberlauf wenig Wasser fuehren und die Sandbaenke oft sichtbar werden. Alles geht sehr langsam und manchmal sieht man auch Boote, die festsitzen und warten muessen, bis mehr Wasser kommt. In Monte Siao leben 50 Familien und in die kleine Schule gehen 62 Kinder. Einen Gesundheitsposten gibt es nicht. Bei Krankheiten muessen sie ins naechste Dorf oder in die Stadt Santarem....was aber ueber 8 Stunden mit dem normalen Boot dauert. In Monte Siao gibt es bereits einen gebohrten Brunnen...allerdings ist die Pumpe und der Motor kaputt, so dass jetzt entschieden wurde, zukuenftig mit Solarenergie zu arbeiten. Eine positive Entwicklung. Von Monte Siao fuhren wir mit einem kleineren Boot zum Ort Igapo Acu. Das dauert einenhalb Stunden. Der Ort ist wunderschoen gelegen oberhalb eines Wald-Ueberschwemmungsgebietes. Auch hier wird in den naechsten Monaten eine Wasseranlage kommen. Rohre und der Wasserbehaelter sind bereits vor Ort. Zurueck in Monte Siao uebernachteten wir in Haengematten auf einem Schiff, gingen dann noch ins Dorf um dort einen unterwegs von einem Fischer gekauften Tucunare-Fisch und weiter ging die Fahrt nach Nova Gurupa, ebenfalls ein groesserer Ort weiter unten am Fluss, wo ebenfalls von einer Motorpumpe zu einer Solarpumpe gewechselt werden soll. Am spaeten Freitag-Nachmittag kamen wir dann wieder in Santarem an...ziemlich muede und durchgeschuettelt von den Wellenschlaegen im Schnellboot! Wir hoffen, dass die Arbeit am Rio Arapiuns weitergehen kann. Im Moment haengt das ein wenig in der Luft, weil der neu gewaehlte Buergermeister erst im Januar im Amt ist und dann die Karten neu gemischt werden. Das ist Alltag in Brasilien. Beim Gespraech sagte er uns allerdings zu, dass er gerne mit POEMA weiterarbeiten wuerde.

1. November, Santarem

Gestern waren wir auf versch. Inseln im Amazonas bei Santarem. Mit dem Schnellboot sind es knapp eine Stunde, bis wir auf der ersten Insel Ituqui waren. Begleitet haben uns Toninho, der von der Stadt Santarem fuer die In auf dem Lande zustaendig ist und von Cipriano, dem Brunnenbauer. Die Brunnen sind teilweise fast 100 m tief, was mit dem Schwemmland im Amazonasflusssystem zu tun hat. Alle Brunnen werden mit Solarenergie betrieben. Die Bewohner muessen also kein Oel mehr kaufen....das hierzulande auch teuer ist. Die Gemeinden, in denen die Trinkwasseranlagen fertig sind heissen Nova Vista, So Jose, Igarape da Praia, Igarape da Costa, Agua Preta, Ilha do St. Miguel und Tapara Mirim. In vielen anderen Gemeinden in der Varzea, so heisst diese ueberschwemmungsregion, warten die Menschen noch auf den Beginn der Arbeiten. Es ist bedueckend zu sehen, wie die Schuelerinnen und Schueler das Wasser aus dem verdreckten Fluss und den Seitenkanaelen trinken muessen. Sie haben keine andere Wahl. Das Flusswasser wird zuerst in große Behaelter mit 500 oder 1000 Liter gepumpt, dann gewartet, bis sich der Sand abgesetzt hat und dann in Filter mit Sand und Kieselsteinen geschuettet. Das trinken dann die Kinder und es gibt immer wieder Krankheiten, die davon herruehren, dass das Wasser nicht richtig aufbereitet werden kann. Der Praesident in Sao Jose erzaehlte uns ganz gluecklich, dass, seit die Wasseranlage da ist, fast keine Durchfallerkrankungen am Ort mehr vorkommen. Problem in Sao Jose ist z. B., dass die Pumpe zu wenig Wasser hochpumpt. Zum einen, weil mehr Menschen zugezogen sind....zum anderen aber, weil Leute von Orten, die keine Trinkwasseranlage haben nach Sao Jose kommen, um sich dort mit sauberm Trinkwasser zu versorgen. Jetzt gibt es die Ueberlegung, dort eine staerkere Pumpe einzusetzen was natuerlich auch mehr Solarpaneele bedeutet. Das muessen wir entscheiden, weil die Kosten fuer die Solaranlagen....also Solarpumpe, Paneele und Installationsmaterial von POEMA uebernommen werden, waehrend die Stadt Santarem den Bau des Brunnens uebernimmt und den Brunnenbauer bezahlt. Wenn die Dorfbewohner ein Verteilnetz, das heisst Leitungen in die Haeuser, wollen, muessen sie das selbst uebernehmen. Der Tag war fuer uns sehr anstrengend....bei ueber 30 Grad 8 Doerfer zu besuchen, aber auch sehr erfahrungsreich und mit viel Hoffnung verbunden, auch zukuenftig in der Region weiterzumachen und mit den Partnern zusammenzuarbeiten.

31. Oktober, Santarem

Heute morgen waren wir beim neu gewählten Buergermeister Nélio Aguiar von Santarem, sowie beim Umweltbuergermeister Podalyro. Beide bedankten sich bei POEMA fuer das Interesse an der Situation in der Region Santarem und die Solidaritaet und die praktischen Hilfen fuer die Menschen im Bereich der Trinkwasserversogung. Wir besprachen die anstehenden Reisen, morgen in die Varzea, das ist das Ueberschwemmungsgebiet hier am Amazonas, und von Donnerstag bis Samstag zu den Doerfern am Rio Arapiuns. In den Doerfern geht es um die bereits fertiggestellten Wasseranlagen, sowie um die Planung weiter Anlagen. Die Stadt Santarem uebernimmt die Kosten und die Ausfuehrungen der Brunnenbohrungen, POEMA bezahlt die Solarpumpen, sowie die Solarpanele. Die Bewohner in den Doerfern uebernehmen in der Regel die notwendigen Handarbeiten. Podalyro sprach das Thema der geplanten Staudaemme am Tapajos an. Die Stadt Santarem hatte gegen den Bau Klage eingereicht, da bei der Umweltvertraeglichkeitspruefung die Auswirkungen auf die Region Santarem nicht thematisiert wurden. Bevor es aber zur Gerichtsentscheidung kam, hatte die Umweltbehoerde IBAMA die Baugenehmigung verweigert. Nach seiner Einschaetzung war diese Entscheidung ueberwiegend politischer Natur und fiel auch zeitlich mit der Entmachtung von Dilma Rousseff zusammen, die diesen Staudamm unbedingt durchsetzen wollte. Im Moment ist die Gefahr des Staudammbaus hier am Tapajos wohl gebannt, vorallem, weil auf Grund der Wirtschaftskrise die Finanzierung bis auf weiteres unmoeglich ist. Wie die Situation in fuenf Jahren aussieht, und ob dann dieses Projekt doch wieder aktuell wird, kann im Moment niemand sagen.

27. Oktober Belem

Heute waren wir im Buero der CIMI in Belem. Dort sind die fuenf Solarpumpen und die zehn dazugehörenden Solarpanele deponiert. Sie werden in den naechsten Tagen ins Reservat der Kaapor transportiert werden. Unsere Ueberweisungen fuer die Projekte bei den Kaapor laufen ueber die CIMI. Zustaendig fuer die finanzielle Abwicklung ist Claudemir, der aber unterwegs war. Seine Buchhalterin Roseli bestaetigte uns die Korrektheit der Abrechnung. Wir sind froh ueber die CIMI die Ueberweisungen schnell und problemlos vornehmen zu können.

26. Oktober Belem

Am Montag frueh sind wir mit einem Auto der CIMI, das ist eine Organisation zur Unterstuetzung Indigener, deren Vorsitzender war bis vor kurzem Erwin Kreutler, der Bischof vom Xingu. Mit fuenf aelteren Herren war das kleine Auto fast ueberfordert, aber unser Fahrer, Padre Paulinho, meisterte die Strecke von ueber 500 Kilometern in den Bundesstaat Maranhao mit Ruhe und Umsicht. Unseren Kontaktmann, Jose, trafen wir mit einigen Kaapor und einem Schweizer Filmteam in Novo Olinda. Die Schweizer sind auf Recherchereise zu einem Film ueber das Thema Fleischkonsum und dessen Auswirkung. Hier in Amazonien geht es natuerlich um die damit verbundenen Landkonflikte, von denen die Kaapor betroffen sind. Die Nacht verbrachten wir bei italienischen Nonnen gemeinsam mit den Schweizern, die wegen einer Autopanne auch die Gastfreundschaft der Italienerinnen in Anspruch nehmen mussten. Am naechsten Morgen ginge es dann ueber eine Sandpiste ins Reservat der Kaapor. Immer wieder hatten wir Sorge, dass unser Auto stecken bleiben koennte. Wir kamen dann aber heil im Dorf Capitao Mira an. Beim letzten Besuch hatten wir vereinbart in fuenf Dörfern Wassersystem zu finanzieren. Diese Doerfer sind von den Kaapor neu an der Grenze des Reservats angelegt worden um so besser den illegalen Zugang und den Holzraub verhindern zu können. Drei der Brunnen sind mittlerweile gebohrt. Der Brunnen in Capitao Mira hat eine Tiefe vom 36 Metern. Die Solarpumpen fuer die Brunnen sind schon gekauft und warten in Belem auf den Transport ins Reservat. Die Installation koennte noch ein kleines Problem werden, da die Zusammenarbeit mit den Weissen hier in der Region sehr schwierig ist. So berichteten, dass letzte Woche beim Einkauf von Lebensmitteln fuer eine Lehrerfortbildung im Reservat der lokale Supermarkt absichtlich frueher geschlossen wurde, um die Indigenen nicht bedienen zu muessen. Das scheint hier die Stimmung der weissen Brasilianer gegenueber den Indigenen zu charakterisieren. Itahu, einer der Fuehrer der Kaapor, der uns begleitet ist trotzdem zuversichtlich, dass bei unserem naechsten Besuch alle fuenf Brunnen Wasser spenden werden. Von den Bewohnern Capirao Miras werden wir freudig empfangen, es gibt eine Versammlung, bei der wir uns und die Arbeit von Poema vorstellen und die Kaapor berichten ueber ihre Situation. Im Vordergrund steht immer noch das Thema Holzraub. Immerhin gab es in den letzten Wochen eine Aktion der Bundespolizei, bei der einige illegale Saegereinen und Maschinen und Fahrzeuge der "Madereiros" zerstoert wurden. Aber die Bedrohung fuer das Reservat bleibt weiter akut, weil insbesondere die lokalen Beherden nicht gegen die Holzraeuber und ihre Hintermaenner vorgehen. Darueber hinaus beklagen sie, dass sie von offizieller Seite keine Hilfe und Uterstuetzung erhalten. Es Fehlen Transportmittel und die Gesundheitsversorgung ist miserabel. Es gibt nicht in allen Doerfern Schulen und indigene Lehrer sind auch noch nicht in ausreichender Zahl vorhanden. Wir werden noch mit Reis und Huhn verkoestigt, dann brechen wir auf ins nächste Dorf. Das bedeutet wieder zurueck auf der Piste bis zur Hauptstraße, ca. 50 Kilometer auf Asphalt um dann wieder auf einer Sandpist noch mal knapp 50 Kilometer bist wir erneut im Reservat sind. Das Dorf Jaxi Puxi Renda ist auch noch im Aufbau. Wir sehen eine größere kahl geschlagene Lichtung mit zwei Huetten. Hier sollen wir uebernachten. Am Waldrand ist eine Plane gespannt, unser "Schlafzimmer". Da es bald dunkel wird spannen wir unsere Haengematten und richten uns fuer die Nacht. In der Naehe ist ein kleiner Wasserlauf in dem wir uns Waschen. Kaum ist man aus dem Wasser schwitzt man schon wieder ohne Ende. In der Dunkelheit stolpern wir zur Huette, wo es noch einmal Huhn und Reis gibt. Sehr zu unserm Missfallen entdecken wir eine Sorte rießiger Ameisen an unserem Schlafplatz. Sie sind fuer ihren aeusserst schmerzhaften Biss bekannt. Wir ueberstehen die Nacht aber problemlos, obwohl ein Affe in der Nacht auf unsere Plane pisst und uns mit Steinen bewirft. Morgens gibt es auch hier eine Versammlung, wir begutachten den auch hier bereits gebohrten Brunnen und ueberreichen wie im letzten Dorf eine Solarlampe an den Dorfchef. Mit Jose, Itahu und einigen Kaapor gibt es dann noch eine Abschlussbesprechung im Gemeindehaus in Sant Teresa, einem kleinen Ort an der Bundesstraße. Die Kaapor betonen, wie wichtig ihnen die Zusammenarbeit mit Poema ist. Es wuerden zwar einige Hilfsorganisationen bei ihnen auftauchen, aber Poema sei die einzige, die kontinuierlich Hilfe leistet. Wir besprechen gemeinsam, was fuer die Fertigstellung der Brunnen noch notwendig ist. Wir sagen ihnen zu einige Reperaturkosten fuer ein defektes Fahrzeug zu uebernhemen. Ihren Wunsch, einen kleinen Lastwagen zu finanzieren können wir zwar gut verstehen, aber die Finanzierung uebersteigt leider unsere derzeitigen Möglichkeiten. Wir verabschieden uns in der Hoffnung, dass bei unserem naechsten Besuch die Brunnen in Betrieb sein werden. Dann geht es zurueck nach Belem.

23. Oktober Belem

Gestern sind wir am fruehen Abend in Belem angekommen. Leider wurde Gerds Gepaeck nicht korrekt verladen und wird voraussichtlich erst am Dienstag hier eintreffen. So mussten wir heute erst mal ein paar Dinge fuer Gerd besorgen, Zahnbuerste, Unterhosen, und was man halt so braucht. Danach fuhren wir durch die sonntaegliche Stadt an den Rio Guama. Mit einem kleinen Boot setzten wir auf die andere Seite ueber. Hier ist man vom Lärm der Großstadt weg und kann unter Palmen an etlichen Strandrestaurants den freien Tag geniesen. Allerdings hat es um die Mittagszeit ueber 35 Grad im Schatten, was den Genuss etwas einschraenkt. Morgen frueh werden wir in Richtung Maranhao zu den Kaapor aufbrechen. Wir sind gespannt, was uns dort erwarten wird. es gab wohl jetzt am Wochenende eine Versammlung. Das beherrschende Thema ist nach wie vor der Holzraub aus dem Reservat der Kaapor. Vorgesehen ist, dass wir die naechste Woche dort verbringen. Wir hoffen auf gute Kontakte, viele Gespräche und Informationen ueber die Situation im Reservat. Poema hat bei einigen Projekten (Wasserversorgung) Unterstuetzung zugesagt. Da interessiert uns, wie weit diese gediehen sind, und was es noch braucht.